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Teile eines zerlegten Revuenon-28-mm-Objektivs, für das Foto angeordnet.
Teile eines zerlegten Revuenon-28-mm-Objektivs, für das Foto angeordnet.El Grafo / CC BY-SA 4.0

Optik

Die Brennweite verändert den Ausschnitt. Ihr Standort die Perspektive.

Ein Gesicht wirkt mit Weitwinkel und Tele unterschiedlich. Liegt das allein am Glas? Oft hat sich auch der Fotograf bewegt. Vom gleichen Standpunkt ändert die Brennweite vor allem den Ausschnitt; Bewegung ändert perspektivische Größenverhältnisse. Die Trennung hilft bei einer bewussten Bildgestaltung.

Zum Merken

Wählen Sie zuerst den Abstand für gewünschte Proportionen und danach die Brennweite für den Ausschnitt. Zuschnitt und Bewegung ergeben nicht dasselbe Bild. Die Verzeichnung eines Objektivs ist eine weitere Frage: Gekrümmte Linien und standortabhängige Proportionen verlangen unterschiedliche Erklärungen.

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Der Ausschnitt hängt auch vom Aufnahmeformat ab

Die Brennweite ist eine optische Eigenschaft und nicht die äußere Länge des Objektivtubus. Bei vergleichbarer Projektion und Fokussierung ergibt eine längere Brennweite auf gleichem Format einen engeren Bildwinkel. Eine kürzere erfasst vom gleichen Standort einen größeren Teil der vorhandenen Szene.

Die Angabe 35 mm beschreibt deshalb nicht allein den Ausschnitt jeder Kamera. Die Größe der lichtempfindlichen Fläche entscheidet mit, welcher Teil des optischen Bildes aufgezeichnet wird. Eine äquivalente Brennweite vergleicht Bildwinkel; sie bedeutet keine physische Änderung des tatsächlich eingesetzten Objektivs.

Der Ausschnitt hängt auch vom Aufnahmeformat ab — Lehrschema, nicht maßstäblich und keine Produktmessung.
1–3. Verschiedene Ausschnitte eines optischen Bildes je nach FormatDer Ausschnitt hängt auch vom Aufnahmeformat ab — Lehrschema, nicht maßstäblich und keine Produktmessung.Diagramm vergrößern

Notieren Sie beim Vergleich Format, Orientierung und Zuschnitt. Hoch- und Querformat können denselben diagonalen Bildwinkel haben und trotzdem horizontal sowie vertikal andere Bereiche zeigen. Wer genau benennt, was verglichen wird, schreibt einen Unterschied der Präsentation nicht versehentlich der Glaskonstruktion zu.

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Der Standpunkt bestimmt relative Größen

Im Modell der Zentralprojektion ist die Abbildungsgröße eines kleinen frontalen Objekts proportional zu seiner Größe und umgekehrt proportional zur Entfernung. Zwei identische Objekte in einem und zwei Metern Abstand haben somit das Größenverhältnis zwei zu eins. Das ist ein geometrisches Beispiel, keine Produktmessung.

Ändern Sie die Brennweite ohne Bewegung des Projektionszentrums, skalieren die Abbildungen gemeinsam und behalten im Modell ihr Verhältnis. Ein zentraler Ausschnitt der Weitwinkelaufnahme kann daher die gleichen perspektivischen Beziehungen zeigen wie eine engere Aufnahme von dort. Auflösung, Abbildungsfehler und Schärfentiefe können dennoch abweichen.

Der Standpunkt bestimmt relative Größen — Lehrschema, nicht maßstäblich und keine Produktmessung.
1. Projektionszentrum · 2. Nahes Objekt · 3. Fernes Objekt; beispielhafte AbständeDer Standpunkt bestimmt relative Größen — Lehrschema, nicht maßstäblich und keine Produktmessung.Diagramm vergrößern

Bei einem sehr nah aufgenommenen Gesicht sind Unterschiede zwischen Nase, Augen und Ohren groß im Verhältnis zum Gesamtabstand. Beim Zurückgehen wird ihr relativer Anteil kleiner. Eine längere Brennweite hilft dann, vom neuen Standpunkt den gewünschten Ausschnitt zurückzugewinnen, statt unmittelbar die Gesichtsgeometrie zu verändern.

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Warum man von Verdichtung beim Tele spricht

Um eine Person mit längerer Brennweite gleich groß im Bild zu halten, geht man meist zurück. Der Hintergrund kann dadurch relativ zur Person größer erscheinen. Die beobachtete Verdichtung entsteht durch die neue Aufnahmegeometrie; das Tele ermöglicht vor allem einen engen Ausschnitt aus größerer Entfernung.

In einem vereinfachten Beispiel stehen gleiche Objekte einen und zwei Meter entfernt: Das Verhältnis beträgt zwei. Zehn Meter weiter hinten werden daraus elf und zwölf Meter, also ein Verhältnis von zwölf zu elf. Eine andere Brennweite zum Ausfüllen des Bildes stellt die früheren Entfernungsverhältnisse nicht wieder her.

Warum man von Verdichtung beim Tele spricht — Lehrschema, nicht maßstäblich und keine Produktmessung.
1. Verhältnis 2/1 · 2. Nach Zurückgehen 12/11; gleiche Objekte im ZentralmodellWarum man von Verdichtung beim Tele spricht — Lehrschema, nicht maßstäblich und keine Produktmessung.Diagramm vergrößern

So lassen sich Ebenen einer Straße oder Landschaft visuell näher zusammenrücken. Damit ist ein Tele aber nicht grundsätzlich besser für jedes Motiv. Eine ausgeprägtere Perspektive kann Nähe, Tiefe oder einen wichtigen Vordergrund vermitteln und genau dadurch besser zur beabsichtigten Erzählung der Aufnahme passen.

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Perspektive und Verzeichnung nicht verwechseln

Geometrische Objektivverzeichnung beschreibt eine Abweichung von einer Referenzprojektion, etwa tonnen- oder kissenförmig gekrümmte Geraden. Eine ideale rectilineare Projektion kann Linien gerade halten und gleichzeitig Objekte am Rand eines sehr großen Bildwinkels stark dehnen. Diese Erscheinungen sind deshalb nicht gleichzusetzen.

Konvergierende Vertikalen beim Blick nach oben entstehen durch Perspektive. Das Entzerren ändert Projektion und Ausschnitt, beseitigt aber nicht automatisch jede andere Grenze. Je nach Korrektur können nutzbare Bildfläche verloren gehen und sichtbare Proportionen verändert werden. Das Ergebnis muss als ganze Aufnahme beurteilt werden.

Perspektive und Verzeichnung nicht verwechseln — Lehrschema, nicht maßstäblich und keine Produktmessung.
1. Gerade Linien · 2. Konvergierende Vertikalen; Perspektive ist keine optische KrümmungPerspektive und Verzeichnung nicht verwechseln — Lehrschema, nicht maßstäblich und keine Produktmessung.Diagramm vergrößern

Ein Korrekturprofil versetzt den Fotografen also nicht einfach an einen anderen Standort. Prüfen Sie bei Architektur zunächst Ausrichtung und Höhe der Kamera. Optische Entscheidungen und spätere Bearbeitung dienen dann einer Bildabsicht mit Kompromissen, die sich nicht durch die Bezeichnung eines einzelnen Reglers bewerten lassen.

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Zwei Versuche mit eigenen Aufnahmen

Erstens: Fotografieren Sie zwei unbewegte Objekte von einer festen Kameraposition mit verschiedenen Brennweiten und vergleichen Sie denselben zentralen Ausschnitt. Vor allem Bildfeld und Wiedergabegrenzen ändern sich. Halten Sie das Projektionszentrum möglichst stabil, denn die Pupillenlage mancher Objektive kann sich beim Einstellen verschieben.

Zweitens: Halten Sie das Hauptmotiv gleich groß im Bild, während Brennweite und Abstand gemeinsam wechseln. Vergleichen Sie nun den Hintergrund und was der Vordergrund verdeckt oder sichtbar macht. Notieren Sie die Positionen, damit die Unterschiede erklärbar werden und nicht wie ein geheimnisvoller Effekt des Glases erscheinen.

Zwei Versuche mit eigenen Aufnahmen — Lehrschema, nicht maßstäblich und keine Produktmessung.
1. Fester Standort und Zuschnitt · 2. Standortwechsel; getrennte VersucheZwei Versuche mit eigenen Aufnahmen — Lehrschema, nicht maßstäblich und keine Produktmessung.Diagramm vergrößern

Beim Telefon kann ein Modulwechsel den Standpunkt leicht verschieben und die Verarbeitung ändern. Ein simulierter Bildwinkel oder Zuschnitt ersetzt keine tatsächliche Bewegung. Lesen Sie danach Bokeh und Schärfentiefe, um die Zeichnung des Hintergrunds getrennt von dieser Gestaltungsentscheidung zu untersuchen.

Quellen und weitere Lektüre

  1. MIT — Foundations of Computer Vision, Imaging and perspective projection
  2. MIT — 3D Motion and Its 2D Projection, varying focal length
  3. ZEISS — Distortion, technical article
  4. Nikon — Understanding Focal Length

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