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Kodacolor-X-Kassette und Schachtel für 35 mm: spätere Generation als Kodacolor von 1942. Foto: Thistle33.
Kodacolor-X-Kassette und Schachtel für 35 mm: spätere Generation als Kodacolor von 1942. Foto: Thistle33.Thistle33 / CC BY-SA 4.0

Geschichte

Kodak: Wie die Fotografie zum Alltag wurde

Eine gelbe Schachtel erzählt nicht die ganze Geschichte. Entscheidend ist der Weg vom empfindlichen Material zum aufbewahrten Bild.

Zum Merken

Einfaches Fotografieren beruht auf Herstellung, Belichtung, Entwicklung und Abzug. Ein Markenname ersetzt nicht die Bestimmung von Material und Prozess.

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1880–1881: Zuverlässigkeit vor Vereinfachung

Bevor Eastman eine leicht bedienbare Kamera anbot, beschäftigte er sich mit Fotoplatten. 1880 begann er in Rochester mit der gewerblichen Herstellung trockener Gelatineplatten. 1881 gründete er mit Henry Strong die Eastman Dry Plate Company. Die Unternehmensgeschichte beginnt deshalb mit empfindlichen Materialien und ihrer reproduzierbaren Herstellung, nicht mit einer einzigen berühmten Kamera.

Trockenplatten trennten die Vorbereitung des lichtempfindlichen Materials stärker vom Moment der Aufnahme. Fotografierende mussten weniger unmittelbar am Aufnahmeort vorbereiten. Das beseitigte weder die Belichtungsfrage noch die spätere Entwicklung, änderte aber die Organisation der Arbeit zwischen Hersteller, Fotograf und Labor.

Kodak Brownie Six-20: späteres Modell, nicht die erste Brownie von 1900. Dokumentarische Objektaufnahme.
Kodak Brownie Six-20: späteres Modell, nicht die erste Brownie von 1900. Dokumentarische Objektaufnahme.Julo / Public domainBild vergrößern

Eine Erfindung wird erst alltagstauglich, wenn die nächste Lieferung ebenfalls funktioniert. Gleichmäßigkeit und Verfügbarkeit waren Teil dieses Fortschritts. Eastmans Beitrag bestand auch darin, Verfahren, Produktion und Vertrieb so zu verbinden, dass Fotografieren für mehr Menschen praktikabel wurde.

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1888–1889: Rollfilm und Dienstleistung

Die Kodak-Kamera von 1888 enthielt Material für 100 Aufnahmen. Anschließend wurde die ganze Kamera zum Hersteller zurückgeschickt. Dort entstanden Negative und Abzüge; das Gerät wurde neu geladen. Der vereinfachte Aufnahmevorgang beruhte somit auf einer umfangreichen Dienstleistung hinter den Kulissen.

Dabei darf man die Materialien nicht verwechseln. Das George Eastman Museum unterscheidet den American Film von 1888 vom transparenten Film, der 1889 folgte. Die vertraute Vorstellung eines transparenten Filmstreifens beschreibt nicht automatisch das Material jeder frühen Kodak-Kamera. Datierungen und Produktnamen müssen zusammen betrachtet werden.

Kodachrome 40 Type A in der Super-8-Kassette: späteres Familienmitglied, nicht das 16-mm-Produkt von 1935.
Kodachrome 40 Type A in der Super-8-Kassette: späteres Familienmitglied, nicht das 16-mm-Produkt von 1935.Dnalor 01 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 ATBild vergrößern

Das Modell nahm dem Kunden einen Teil der technischen Arbeit ab, schaffte sie aber nicht ab. Aus Vorbereitung, Aufnahme und Verarbeitung wurde eine organisierte Kette. Wer die Kamera betrachtet, sollte deshalb auch das unsichtbare Labor mitdenken, das ihren unkomplizierten Gebrauch ermöglichte.

03

1900: Der Brownie im Alltag

1900 führte Kodak den Brownie für einen Dollar ein. Der niedrige Einstiegspreis und die einfache Bedienung unterstützten eine Fotografie alltäglicher Ereignisse. Familien, Ausflüge und Begegnungen wurden zu Motiven, auch wenn Film, Entwicklung und Abzüge weiterhin zusätzliche Arbeit und Kosten bedeuteten.

Der hier gezeigte Brownie Six-20 ist ein späteres Modell, nicht das erste Gerät von 1900. Die ähnliche Form macht diese Unterscheidung leicht übersehbar. Eine historische Produktfamilie umfasst unterschiedliche Generationen, Formate und Ausstattungen; ein einzelnes Objekt steht nicht für alle.

Kodak Brownie Six-20: späteres Modell, nicht die erste Brownie von 1900. Dokumentarische Objektaufnahme.
Kodak Brownie Six-20: späteres Modell, nicht die erste Brownie von 1900. Dokumentarische Objektaufnahme.Julo / Public domainBild vergrößern

Ein einfacher Apparat bleibt von Licht und Bewegung abhängig. Begrenzte Einstellmöglichkeiten erleichtern die Benutzung, garantieren aber keine gelungene Aufnahme unter allen Bedingungen. Interessant ist gerade das Zusammenspiel zwischen diesen Grenzen und den vielen persönlichen Bildern, die trotzdem entstanden.

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1935–1942: Zwei Wege zur Farbe

Kodachrome erschien 1935 zunächst für 16-mm-Film; 1936 folgten unter anderem 35-mm-Dias und 8-mm-Film. Als Umkehrmaterial lieferte es ein positives Bild, das sich betrachten oder projizieren ließ. Sein späterer Ruhm darf diese unterschiedlichen Formate und Verwendungsweisen nicht verdecken.

Auch chemisch war Kodachrome besonders: Die Farbkuppler wurden während der Verarbeitung eingebracht. Bei anderen chromogenen Farbmaterialien sind solche Bestandteile bereits im Material enthalten. Daraus ergeben sich unterschiedliche Prozessketten. Das ist kein Detail, das sich mit einem einzigen warmen Farbton beschreiben ließe.

Kodachrome 40 Type A in der Super-8-Kassette: späteres Familienmitglied, nicht das 16-mm-Produkt von 1935.
Kodachrome 40 Type A in der Super-8-Kassette: späteres Familienmitglied, nicht das 16-mm-Produkt von 1935.Dnalor 01 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 ATBild vergrößern

1942 kam Kodacolor als Farbnegativmaterial für Papierbilder hinzu. Negativ und Umkehrfilm führen auf verschiedenen Wegen zum sichtbaren Bild. Die hier fotografierte Kodacolor-X-Verpackung stammt aus einer späteren Produktgeneration; sie ist kein Beleg dafür, wie die erste Verpackung von 1942 aussah.

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Film als industrielles System

Ein Film vereint einen Träger, empfindliche Schichten, Schutzfunktionen und eine geeignete Verpackung. Farbmaterial reagiert in mehreren Schichten auf unterschiedliche Spektralbereiche. Die Herstellung muss Zusammensetzung und Gleichmäßigkeit beherrschen. Hinter der handlichen Patrone steckt ein komplexes fotografisches Material.

Die Entwicklung macht aus den bei der Belichtung angelegten Veränderungen ein nutzbares Bild. Bäder, Zeiten und Bedingungen gehören zum Ergebnis. Eine Marke ist kein Universalrezept: Schwarzweiß, Farbnegativ und Umkehrfilm verlangen, dass man das konkrete Material und seinen vorgesehenen Prozess identifiziert.

Kodacolor-X-Kassette und Schachtel für 35 mm: spätere Generation als Kodacolor von 1942. Foto: Thistle33.
Kodacolor-X-Kassette und Schachtel für 35 mm: spätere Generation als Kodacolor von 1942. Foto: Thistle33.Thistle33 / CC BY-SA 4.0Bild vergrößern

Kodaks Geschichte verbindet deshalb Film, Kamera, Labor und Abzug. Innovation betrifft auch Chargenkonstanz und verlässliche Verarbeitung. Ein altes Familienalbum allein der Emulsion zuzuschreiben, blendet einen wesentlichen Teil der Entstehung seiner Bilder aus.

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Alte Filme lesen, ohne Legenden zu erfinden

Verpackungen liefern dokumentarische Hinweise: Name, Format, Empfindlichkeit und mitunter Prozess oder Datum. Diese Angaben identifizieren einen Gegenstand, datieren aber nicht automatisch seine Fotografie. Das Alter eines Produkts und das Alter seiner Abbildung sind verschiedene Informationen.

Auch ein Farbstich beweist keinen bestimmten Film. Licht, Belichtung, Entwicklung, Papierabzug, Alterung und spätere Reproduktion verändern das Erscheinungsbild. Ohne Beschriftung oder Herkunft bleibt die Zuordnung eine Hypothese. Die Dokumentarfotos dieses Artikels zeigen Objekte, keine kalibrierten Beispiele ihrer Bildwirkung.

Kodacolor-X-Kassette und Schachtel für 35 mm: spätere Generation als Kodacolor von 1942. Foto: Thistle33.
Kodacolor-X-Kassette und Schachtel für 35 mm: spätere Generation als Kodacolor von 1942. Foto: Thistle33.Thistle33 / CC BY-SA 4.0Bild vergrößern

Der nützliche historische Blick prüft Material und Kontext und trennt Beleg von Markenmythos. Kodak erleichterte den fotografischen Alltag durch eine ganze Produktions- und Dienstleistungskette. Dieses analoge Erbe lässt sich an tatsächlichen Arbeitsweisen besser verstehen als an einer allen Bildern zugeschriebenen gelben Tönung.

Quellen und weitere Lektüre

  1. Kodak — George Eastman
  2. George Eastman Museum — Two rare rolls of early Kodak film
  3. Kodak — Photography history
  4. George Eastman Museum — Images from the final roll of Kodachrome
  5. Kodak — Essential Reference Guide for Filmmakers
  6. George Eastman Museum — About George Eastman
  7. Canadian Conservation Institute — Care of Colour Photographic Materials: chromogenic film

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